Demographischer Wandel in Recke

Schicksal oder Chance?

Foto: "bring-together"
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Die Recker Bevölkerung wird bis zum Jahr 2040 um 6,8 Prozent schrumpfen und im Durchschnitt deutlich altern. Das sagt eine aktuelle Prognose des Landesbetriebs Information und Technik (IT NRW) voraus. Wie sollte die Gemeinde darauf reagieren? Das hatte die Ibbenbürener Volkszeitung alle im Recker Rat vertretenen Gruppierungen gefragt. Hier unsere Antwort.

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Die Bewältigung des demographischen Wandels ist für uns Freidemokarten eines der wichtigsten Ziele unserer kommunalpolitischen Arbeit. Wir wollen, dass die Gemeinde Recke auch in Zukunft ein Ort ist, in dem sich die Bürger heimisch und wohl fühlen.

Der demographische Wandel wird uns, wenn wir aktiv dagegen angehen, vielleicht weniger durch eine geringere Bevölkerungszahl fordern, sondern mehr noch durch die Veränderungen der Bevölkerungsanteile junger und alter Menschen. Möglicherweise profitieren wir sogar von einer willkommenen Zunahme an ehrenamtlich Tätigen, die nicht mehr einer Erwerbsarbeit nachgehen müssen, gleichwohl erfordert ein höherer Anteil älterer und alter Menschen den Aufbau guter Pflegeinrichtungen vor Ort und Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Hier sind wir in Recke noch nicht ausreichend vorbereitet. Die bestehenden Einrichtungen werden dem Bedarf der Zukunft keinesfalls gerecht. Notwendig ist neben der Verstärkung der ambulanten Pflege der Aufbau neuerer Pflegeansätze beispielsweise in Form von Senioren-Wohngemeinschaften mit Menschen mit unterschiedlichem Pflegebedarf.

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Ein moderater Rückgang der Bevölkerung muss nicht per se ein Unglück sein. Allerdings erfolgt die jährliche finanzielle Mittelzuweisung gerade bei einer Gemeinde wie Recke mit geringer eigener Steuerkraft weitgehend auf Basis der Einwohneranzahl. Da aber die Infrastruktur bei moderatem Bevölkerungsrückgang nahezu vollständig aufrechterhalten werden muss, kann es bei einer Abnahme der Bevölkerungszahl zu ernsten Haushaltsproblemen, zu so genanntem fiskalischem Stress kommen. Auch deshalb pochen wir Freidemokarten stets auf eine solide Haushaltsführung, die auch die langfristige Zukunft im Auge behalten muss. Ein vorrangiges Ziel zur Abmilderung des Bevölkerungsrückgangs ist zweifellos die Ausweisung von Baugebieten. Genau dadurch konnten wir in den letzten Jahren einen stärkeren Einwohnerrückgang vermeiden. Immerhin weist die jüngste in der Zeitung vorgestellte Statistik des Landesbetriebes Information und Technik für das Jahr 2030 eine Zahl von 11.018 Einwohner auf und liegt damit über einer älteren Prognose der Bertelsmannstiftung, die für 2030 einen Wert von nur 9.990 Einwohnern  vorausberechnete.

Baugebiete sind allerdings kein Allheilmittel und im Übermaß bereitgestellt können sie zu Wohnungsleerstand und kommunalen Kostenfallen führen. Für Recke sind unserer Einschätzung nach aber noch deutliche Zuwächse möglich, die auch bald erschlossen werden sollten. Selbstverständlich ist der Nachnutzung bestehender Gebäude und der Innenraumverdichtung hohe Priorität einzuräumen. Dem kommen wir durch die eben auch durch die Recker FDP angeregte Liberalisierung bestehender Bebauungspläne nach, die jungen Familien ein erschwingliches modernes Wohnen in umgebauten und renovierten Immobilien ermöglicht. Wir müssen in jedem Fall dafür sorgen, dass so etwas wie eine Generationenkette nicht abreißt. Anders als in größeren Städten neigen junge Familien aus ländlichen Gemeinden, wenn der Beruf dies zulässt, nach einer ausbildungsbedingten vorübergehenden Abwanderung durchaus zu einer Rückkehr in die Heimatregion. Falls dort aber weder Wohnungen noch ein Mindeststandart an ausreichender Versorgung, Kinderbetreuung, Schulen, Sport und Kultur vorhanden sind, kann nicht einmal die Nähe helfender Großeltern für den Nachwuchs die Entscheidung einer Rückkehr begünstigen. 

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Zurzeit ist Recke insgesamt gut ausgestattet und der Zuzug junger Familien wies in Recke in den letzten Jahren einen positiven Zuwachssaldo auf. Allerdings kann dieser Zuwachs den Wegzug des geringer werdenden Bevölkerungsanteils junger Menschen bis zum Alter von 25 Jahren nicht ausgleichen. Eine günstigere Bilanz dieser jungen Altersgruppe ist in den größeren Städten, allen voran in Münster und Osnabrück zu finden. Aber auch Orte mit guter Anbindung an die Oberzentren wie etwa Altenberge oder Lotte haben einen positiven Saldo. Aufgrund dieses Zusammenhanges kann man die Bedeutung der Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für Recke nicht hoch genug einschätzen. Selbst von Gegnern dieses Projektes wurde auf einem Hearing der FDP-Kreistagsfraktion im letzten Jahr die Bedeutung der Bahn für Recke ausdrücklich anerkannt.