Schließung des Schulstandortes Obersteinbeck

Michael Stroot in seiner Haushaltsrede vom Februar 2017:

„Gestatten sie mir an dieser Stelle auch einen vorerst letzten Beitrag zur Schließung des Schulstandortes Obersteinbeck. Meine Ablehnung der vorzeitigen Schließung beruhte keinesfalls darauf, wie der CDU-Kollege Bernhard Gerweler leider fortgesetzt missverstand, ich wolle mich über Schulgesetzt stellen. Auch ich sehe die kritische demographische Entwicklung und habe die Schülerzahlstatistiken wohl verstanden. Aber ich frage mich, ob ein stärkerer gemeinsamer Wille mit der Bereitschaft für ungewöhnliche Lösungen nicht doch mehr hätte möglich machen können. Wollen wir hoffen, dass Obersteinbeck weiterhin ein attraktiver Wohnort unserer Gemeinde bleibt.“


Harter Einschnitt innerhalb der Obersteinbecker Ortsgeschichte - St.-Martin-Schule schließt 2018

Sechs Schüler fehlten

Einzig in dem zukünftigen Jahrgang 2018 fehlten sechs Schüler, um die Mindestschülerzahl von 46 für einen Fortbestand des Schulstandortes über vier Jahre zu erreichen. Wäre es gelungen, diese sechs Schüler zu gewinnen, wäre  die Zukunft der St.-Martin-Schule auf noch viele Jahre gesichert gewesen.

 

Turbulenzen sechs Wochen vor der Schulanmeldung

Nun aber ist es anders gekommen, ein Einschnitt innerhalb der Obersteinbecker Ortsgeschichte. Die seit über hundert Jahren bestehende St.-Martin-Schule wird bald Geschichte sein. Bei den  Neuanmeldungen im November 2016 hatte viele Eltern wohl der Mut und die Hoffnung auf eine Zukunft des Schulstandortes verlassen. Sie meldeten ihre in 2017 schulpflichtigen Kinder im November 2016 mehrheitlich in Steinbeck an. Dadurch kann der Schulstandort nicht weiter aufrechterhalten werden. Das muss respektiert werden, zumal die Entscheidungsfindung innerhalb der politischen Turbulenzen der Wochen seit der ersten Elternversammlung Anfang Oktober 2016 bestimmt nicht einfach war.

 

Bullerbü-Schule

Die harten Konsequenzen der Schulschließung hatten uns als Freidemokraten bewogen, so schnell nicht aufzugeben, immerhin steht gute Bildung für unsere Kinder ganz weit oben auf unserer Liste.

Die St.-Martin-Schule wurde wegen ihrer trauten Lage und der familiären Atmosphäre auf überörtlichen Lehrer-Konferenzen mal als wahre „Bullerbü-Schule“ bezeichnet. Eine Grundschulzeit an einer solchen Schule ist bestimmt vielen Kindern zu wünschen. Andererseits müssen wir uns jetzt den neu geschaffenen Tatsachen stellen und einen guten Übergang der Obersteinbecker Schüler nach Steinbeck unterstützen.

 

Lange genug herumgeeiert?

Wir bedauern außerordentlich, kommunalpolitisch nicht mehr erreicht zu haben. Dazu wäre eine deutlich längere Vorbereitungszeit notwendig gewesen. Zwar war seit langem klar, dass es im Jahr 2018 für die St.-Martin-Schule knapp würde, aber viele Kommunalpolitiker, die sich für Obersteinbeck einsetzen wollten, hatten für ihre Bemühungen vor allem das Jahr 2017 vor Augen.

 

Die von der Verwaltung im Herbst 2016 eingebrachte Planung eines „sanften Übergangs“, das heißt einer schrittweisen Fusion der Schulstandorte, mag durchaus ehrenwert motiviert gewesen sein. Eine darüber hinaus gehende Idee, wie der Schulstandort möglicherweise hätte erhalten werden können, wäre jedoch weit besser gewesen. Die Entwicklung einer solchen Idee wäre eine Aufgabe für den Schulausschuss gewesen, wenngleich die Motivation dazu wohl sehr unterschiedlich vorhanden war. Ein Kommunalpolitiker aus Steinbeck soll gar gesagt haben, man habe jetzt auch lange genug herumgeeiert.

 

 

Der Namenspatron St.-Martin war immer auch Programm der Schulkultur
Der Namenspatron St.-Martin war immer auch Programm der Schulkultur
Karneval in der St.-Martin-Schule 1964
Karneval in der St.-Martin-Schule 1964
Konferenz mit Kirche und Politik ca. 1980. Damals sahen alle noch in eine beständige Zukunft.
Konferenz mit Kirche und Politik ca. 1980. Damals sahen alle noch in eine beständige Zukunft.


Seltsame Stellungnahme der CDU-Fraktion

Nach der Schulausschusssitzung Ende Oktober 2016 brachte die Recker CDU-Fraktion zum Thema Standortschließung eine Stellungnahme heraus, in der sie allerhand Unsinn schreibt. Beispielsweise wird dort behauptet, dass aufgrund von Anträgen

- auch der FDP - der Beschlussvorschlag der Verwaltung bis nach dem 14. November verschoben worden war [Anmerkung: Beschluss zur vorzeitigen Standortschließung mit sukzessivem Übergang]. Das ist, was die FDP Recke anbelangt, schlicht falsch, wir haben bis zur Ausschusssitzung einen solchen Antrag nicht gestellt. Richtig ist aber zum Beispiel, dass auch ein CDU-Ratsmitglied dem von der SPD-Fraktion eingebrachten Antrag auf Verschiebung der Entscheidung zustimmte. Aus unserer Sicht ist das sogar nachvollziehbar. Das CDU-Mitglied aus Obersteinbeck wollte wohl nicht unbedingt der Zielsetzung der SPD folgen, scheute aber wahrscheinlich davor zurück, bereits in der Oktobersitzung dem endgültigen Aus der St.-Martin-Schule zuzustimmen.

Soweit uns das bekannt ist, hatte lediglich die SPD-Fraktion die konkrete Zielsetzung formuliert, vor einer endgültigen Entscheidung erst den Elternwillen – quasi durch das Anmeldeverhalten – erfahren zu wollen. All denjenigen, die dem Antrag zustimmten, ging es wohl eher darum, weitere Zeit für das Ausloten von Problemlösungen zu gewinnen.

Unsere FDP-Position war von Anfang an: Erst dann schließen, wenn vorher alles versucht worden ist, den Standort zu erhalten. Es war nie unsere Position, die Obersteinbecker Eltern durch ihr Anmeldeverhalten über den Fortbestand der  St.-Martin-Schule entscheiden zu lassen. Rein rechtlich hätte allein der Schulleiter die Macht gehabt, die Grundschüler so auf zwei Orte so zu verteilen, dass beide Schulstandorte erhalten bleiben könnten. Wir halten den Vorwurf der CDU-Fraktion, wir hätten den Eltern des Anmeldejahrgangs 2017 den Schwarzen Peter für die Entscheidung über den Erhalt der St.-Martin-Schule zugeschoben, für völlig unangemessen. Ganz im Gegenteil, hatten wir in unserem Antrag zum weiteren Fortgang der Beratungen angeregt, den Eltern eine Art Optionsmodell anzubieten, nämlich eine Anmeldung mit Vorbehalt einer endgültigen Standortwahl. Das hätte bedeutet, die Eltern zu fragen: Falls sich in den nächsten Monaten herausstellt, dass der Standort Obersteinbeck für die nächsten vier Jahre doch noch aufrechterhalten wird, soll ihr Kind dann in Obersteinbeck oder in Steinbeck zur Schule gehen? Dadurch wäre den Eltern der Druck genommen worden.

J. Dresselhaus CDU-Fraktion, Autor der Stellungnahme
J. Dresselhaus CDU-Fraktion, Autor der Stellungnahme

Leider haben wir im Schulausschuss keine Stimme und konnten die Beachtung unserer per Antrag eingebrachten Anregung während der laufenden Sitzung nicht einfordern.

Wenn ausgerechnet die CDU-Fraktion in ihrer Stellungnahme schreibt, dass die Schulproblematik des Schulstandortes Obersteinbeck seit dem Jahr 2015 hinlänglich bekannt gewesen sei, darf man wohl fragen, was denn ihr besonderer Beitrag zur Problemlösung war. Wir Recker Freidemokraten hatten jedenfalls bereits in 2015, nachdem uns eine Anfrage der Schulpflegschaft des Grundschulverbundes erreichte, bei Schulleiter und Verwaltung Informationen eingeholt, die uns veranlassten, das Thema erneut in kritischer Weise öffentlich zu machen. Wir erinnern uns noch, dass die durch uns initiierte Berichterstattung in der Ibbenbürener Volkszeitung unserem Vernehmen nach von der Verwaltung als etwas übertrieben wahrgenommen wurde. Und wir meinen uns zu erinnern, dass unser Bürgermeister mahnte, doch jetzt erst einmal die Anmeldezahlen abzuwarten.

Hinterher ist man bekanntlich immer klüger.

 



Der Schulentwicklungsplan der Gemeinde Recke für den Standort Obersteinbeck

Anzahl der erwarteten Schülerzahlen je Jahrgang (Stand 10/2016)


Auch der Schulstandort Steinbeck nicht problemlos

So ganz ohne Not über die weitere Entwicklung ihres Schulstandortes waren die Steinbecker wohl auch nicht. Auch der Standort der Raphaelschule musste offenbar mit starken Veränderungen rechnen. Ob das auch eine Rolle bei der Schließung der St.-Martin-Schule spielte ist natürlich spekulativ. Im Schulentwicklungsplan waren für das nächste Schuljahr 2017/18 16 Schüler für die Einschulung in Steinbeck vorgesehen. Laut Zeitungsbericht der IVZ vom 16.11.16 sind aber offenbar nur 13 Steinbecker Schüler in Steinbeck angemeldet worden. Mit 13 Schülern hätte Steinbeck aber wahrscheinlich keine einzelne Eingangsklasse des ersten Schuljahres bilden können, da dafür laut Schulrat Frede gemäß Schulgesetzgebung mindestens 15 Schüler erforderlich sind.

Am Schulstandort Steinbeck hätte also ohne Obersteinbecker Schüler  im nächsten Schuljahr jahrgangsübergreifender Unterricht stattfinden müssen. Im schlechtesten Fall mit einer Klassengröße von 35 Schülern (13 + 22).Das hätte zweifellos viel Unmut hervorgerufen.